Bandcontests
August 31, 2019

Wie man als Band nicht bekannt werden möchte ...

Anlass für diesen Blogeintrag mit etwas aussergewöhnlichem Titel waren ein paar Gespräche die wir im Rahmen der Etablierung eines neuen Geschäftszweigs geführt haben. Bei Kiwisound dreht sich seit zwei Jahren vieles um die Frage, was zum professionellem Auftreten einer Band dazugehört und wie Reichweite und Bekanntheitsgrad verbessert werden kann. Bei unzähligen Gesprächen wurden Marketingideen in Konzepte gegossen, manches davon wieder verworfen, verschiedene Aktionen ausprobiert und hinterher analysiert. In unsrer Beraterrolle geht es meist darum, dass eine Band ein Ziel definiert und wir mehrere Ansätze liefern, wie das Ziel erreicht werden kann. Dabei hinterfragen wir das Ziel und die Motivation viel zu selten

Die meisten Bands kommen ja zum Glück zum Musizieren zusammen. Nur neben Social Media, Presskit, Fotoshooting für das nächste Cover und Videodreh organisieren kann man schon mal vergessen, wie man einen Song schreibt. Und so eigenartig es klingt, ich bin mir sicher, dass ich das schon mal erlebt habe (als Zuschauer, denn ich kann sowieso keine Songs schreiben).

Selbst wenn man als Songwriter die Begabung hat, sämtliche Verpflichtungen wie oben angegeführt zu ignorieren und erfolgreich vor sich her zu schieben, erdrücken irgendwann die grundsätzlichen Verpflichtungen - schließlich braucht selbst die kleinsten Veranstaltungen zumindest eine Facebook Veranstaltung. Naturgemäß führt diese Entwicklung zu sowas ähnlichem wie einem musikalischen Burnout. Dabei kam die Gruppe eigentlich zusammen um Freude am gemeinsamen Musizieren zu haben. Doch genau das geht eben viel zu leicht verloren.


Entwicklungen zulassen

Als ich Kiwisound gegründet habe, wurde mir prophezeit, dass ich über kurz oder lang mehr Zeit am Schreibtisch verbringen werde als im Regieraum. Das ist nicht ganz falsch - aber ich habe das Glück, dass mir das auch sehr recht ist. Bei Musikern kenne ich keine ex-Sänger die jetzt Social Media beauftragte sind. Bands vergleiche ich immer mit kleinen Unternehmen, wie es Kiwisound eines ist. Da gibt es Aufgaben im operativen Bereich, die viel Spaß und Freude machen sowie Verpflichtungen im administrativen Bereich die man entweder auf das nötigste reduziert oder auslagert.

Eine häufige Frage in dem Zusammenhang ist: Ab wann braucht eine Band ein Marketing-Konzept, eine Österreich Tournee und ein halbes Geschäft voll Merch? Die offensichtliche Antwort: Wenn es Songs gibt, die Menschen kaufen wollen und die bei den Fans gut ankommen. In den letzten Jahren habe ich unzählige Bands beobachtet die nach der Veröffentlichung ihrer ersten EPs vollkommen überrascht waren, dass das Feedback gar nicht so überwältigend war (insbesondere was Feedback von Radiostationen und Veranstaltern betrifft). Aber davon ausgehend, dass Geschmäcker verschieden sind und eine Band eine gewisse Entwicklung zurücklegen muss, bevor sie einen Hit nach dem anderen Produziert, kanns also garnicht beim ersten Album schon klappen.

Und dann stellt sich wieder die Frage: worum gehts eigentlich? Ums Musik machen, oder?


Mein Fazit:

Das Resultat aus diesem Sommer und diesem Artikel ist ein Appell an jene Musikerinnen und Musiker, welche sich fragen, wie sie ihre Reichweite verbessern und den Bekanntheitsgrad erhöhen können:
Geht in den Proberaum, macht Musik, produziert Platten und Spielt auf Bühnen - weil es euch Spaß macht. Nicht jedes Social Media Post muss von einem Grafiker designt werden und mit 20 Hashtags ausgestattet sein. Es kann mehr bringen an einer coolen Show zu feilen als ein Storyboard für das nächste Musikvideo zu erstellen. Und solltet ihr davon überzeugt sein, jetzt können eure Songs der Welt nicht weiter vorenthalten werden, dann sucht euch ein anständiges Artistmangement. Und zwar nicht so eines, welches euch verspricht auf allen Festivals zu spielen, sondern welches euch bei der Basisarbeit unterstützt und euch in eurem Tempo wachsen lässt.

Wir für unseren Teil machen uns das zum Leitbild. Weil wir brauchen keine hochgezüchteten Musiker, die keine Freude mehr am Songwriting haben -

wir brauchen gute Musik!!

Ihr habt Spaß beim Proben aber wenns um Social Media Arbeit geht, fühlt sich keiner richtig zuständig? Euer neues CD Cover ist schon fast mehr Arbeit als das Songwriting des Titelsongs? Ein paar Zeilen zum einer etwas anderen Sichtweise.